Refugees go home – they would if they could

Asylsuchende sind Menschen auf der Flucht. Leider wird das oft vergessen. Asylbewerber werden mit Missbrauch und Kriminalität gleichgesetzt. Das ist falsch und zeugt von einem sehr eingeschränkten Horizont.

Der Anteil Asylsuchender an der Schweizer Bevölkerung beträgt 0,5%.

Ich streite nicht ab, dass es auch unter Asylbewerbern kriminelle Personen gibt. Kriminalität muss konsequent verfolgt und bestraft werden. Je nach Jahr und Statistik begehen 7-13% aller Asylsuchenden Delikte. Dies bedeutet, dass 87% aller Asylsuchende nicht kriminell werden. Die öffentliche Diskussion vermittelt jedoch den Eindruck, als wäre es umgekehrt.

In den letzten Jahren wurde das Asylgesetz zunehmend verschärft. Dies, obwohl die Schweiz sich dauernd mit ihrer humanitären Tradition rühmt und Depositstaat der Genfer Flüchtlingskonvention ist. Kaum brechen irgendwo Kriege oder Unruhen aus, scheint die grösste Sorge vieler Schweizer Politiker zu sein, dass die Flüchtlinge nicht zu uns flüchten. Das ist pure Ignoranz und widerspricht dem Sinn und Zweck des Asylwesens. Dabei geht auch vergessen, dass drei Viertel aller Flüchtlinge in ihre Nachbarländer flüchten und mehr als 80% aller Flüchtlinge in Entwicklungsländern aufgenommen werden.

Asyl muss weiterhin ein Instrument sein, um Menschen auf der Flucht vor grausamen Regimes und Verfolgungen zu schützen. Missbrauch darf nicht toleriert werden, verfolgte Menschen müssen aber ohne Wenn und Aber aufgenommen werden. Deswegen müssen Asylverfahren rasch, aber gründlich durchgeführt werden. Auch während dem laufenden Asylverfahren sind diese Menschen würdig unterzubringen und anständig zu behandeln. Menschen, denen Asyl gewährt wurde und vorläufig Aufgenommene sind rasch zu integrieren. Weitere Verschärfungen sind unnötig und sorgen nicht nur dafür, dass man die ohnehin schon schwierigen Lebensbedingungen von Menschen noch schwieriger macht, sondern auch dass wirklich verfolgte Menschen durch die Masche fliegen. Denn, wie bereits unsere Bundesverfassung unmissverständlich festhält: die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.