Zürich, die wohl kleinste Metropole der Welt, in der alles zusammen kommt. Verschiedenste Nationalitäten, Religionen, soziale Stellungen, Alter, Weltanschauungen usw. kommen auf kleinem Raum zusammen. Dies birgt grosses Konfliktpotenzial – doch Zürich beweist, dass diese Vielfältigkeit problemlos funktioniert. Es ist jedoch wichtig, diesen Charakter Zürichs zu behalten. Die Wohnungen werden immer teurer, der Verkehr nimmt zu und die Grünflächen stehen unter Druck.

Wohnen

Der wichtigste Grundsatz bleibt: Boden ist kein normales Konsumgut, das man beliebig vermehren kann. Darum ist es völlig gerechtfertigt, dass die Stadt möglichst viel Boden der Spekulation entzieht und für gemeinnützige Wohnungen (ob städtisch oder genossenschaftlich) sorgt. Die Grünflächen sind zu erhalten, damit man auch in der Stadt noch Naherholungsgebiete hat.

Verkehr

Obwohl sich das Volk in jeder Abstimmung für eine Verkehrsberuhigung ausspricht, ist die Stadt noch täglich vollgestopft mit Autos. Ein Grossteil davon ist Durchgangs- oder Pendelverkehr. Und obwohl sich die Stimmbevölkerung bei jeder Gelegenheit immer wieder für die Förderung des Fuzss- Velo- und Öffentlichen Verkehrs ausspricht (Beispiel „umverkeR-Initiative“), gibt es noch immer keine durchgehenden Velostreifen. Die Stadt muss sich entschlossen für Verkerhrsberuhigungen einsetzen und für komfortable Velowege und sichere Fusswege sorgen. Trottoirs, die von Velos und die Fussgängerinnen und Fussgänger geteilt werden müssen, sollten endgültig der Vergangenheit angehören. Dies hat nichts mit einer autofeindlichen Politik zu tun – im Gegenteil. Wenn der Durchgangs- und Pendelverkehr reduziert wird, kommt das Gewerbe und all jene, die wirklich auf Autos angewiesen sind, wesentlich schneller zum Ziel. Der ÖV muss allen offen stehen: deswegen sind durchwegs hohe Haltekanten bei Haltestellen anzustreben, damit sowohl Gehbehinderte als auch Eltern mit Kinderwagen oder Touristen mit Gepäck den Öffentlichen Verkehr problemlos benutzen können.

Veranstaltungen

Gerade weil in den letzten Jahren der Eindruck entstanden ist, dass Zürich immer mehr zur Partystadt wurde, werden laufend vermehrt Stimmen laut, die das Nachtleben drosseln möchte. Ich erachte dies als komplett falsch. Das Nachtleben ist eine Bereicherung für unsere Stadt – sowohl in gesellschaftlicher als auch in kultureller und erst recht in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Öffentlichen Veranstaltungen stellen eine enorme Bereicherung für unsere Stadt dar. Das Zurich Pride Festival kämpft für Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transmenschen, das Caliente sorgt für lateinamerikanisches Flair in der Innenstadt, das Zürich Fest holt für ein Wochenende die ganze (Ost)Schweiz 😉 nach Zürich und der 1. Mai verschafft der Arbeiterschaft immer wieder Gehör – um nur einige Beispiele zu nennen. Obs einem nun passt oder nicht: Unangefochten an der Spitze steht jedoch die Street Parade – eine Tanzdemonstration für Toleranz, Liebe und Freiheit, die mittlerweile genauso zum Inventar von Zürich gehört, wie etwa das Grossmünster oder der Zürichsee. Die Street Parade hat Verbote überstanden, trotzt regnerischen Jahren und lässt sich auch von behördlichen Auflagen und Kosten nicht unterkriegen. Auch wenn dieses Ereignis polarisiert, keine Veranstaltung bringt der Stadt so viele Einnahmen und weltweit so viel positive Aufmerksamkeit wie die Street Parade. Die Hotels sind ausgebucht, die Restaurants, Clubs und Bars übervoll. Während die Schweizer Medien im Stundentakt berichten, senden auch ausländische Medienhäuser spektakuläre Bilder (von der Parade und vom Seebecken) in die ganze Welt – eine Werbemassnahme, die sich keine städtische Standortförderung je leisten könnte. Während dies die Jugend, die Clubs und die Tourismusbranche längst erkannt hat, tun sich die Behörden schwer damit. Während man für „hochstehende“ Kultur keine Kosten scheut oder Veranstaltungen der älteren Generation (z.B. Sechseläuten) von städtischer Seite überall entgegen kommt, hat der nicht-gewinnorientierte Verein Street Parade jedes Jahr mit Kosten, Auflagen und Einschränkungen seitens der Stadt zu kämpfen. Es wird allerhöchste Zeit, dass die Stadt  den kulturellen, marketingtechnischen und wirtschaftlichen Wert der Street Parade endlich anerkennt und die Street Parade als urzürcherische Veranstaltung für Toleranz, Freiheit und Liebe genauso zuvorkommend unterstützt wie ein Zürichfest, ein Silvesterlauf oder ein Sechseläuten.